Für das Simposion: Frauen: Museum/Carla Bobadilla - The Feminist School
     
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Für das Simposion: Frauen: Museum/Carla Bobadilla

Freitag 3. Dezember 2010

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Feminist School:Donnerstag, 7. Oktober 2010, Wiener Rathaus, Symposion Frauen:Museum. Zwischen Sammlungsstrategie und Sozialer Plattform, im Rahmen der Ausstellung „Frauen Museen über Grenzen hinweg“

(1)Im zweiten Teil des Programms mit dem Thema „Zwischen Kuratieren und Sozialer Plattform“ machte Carla Bobadilla (Künstlerin, Schwerpunkt: Postkolonialismus, Antirassismus, Wien (2)) neben den anderen Teilnehmern ihr Statement, das sie uns in schriftlicher Form zur Verfügung gestellt hat:….

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie konnten dem Programm schon entnehmen, was MEIN Schwerpunkt ist: Postkolonialismus und Antirassismus.

Das sind natürlich nur ZWEI Schwerpunkte meines Lebens und meiner Arbeit, und keine definitiv KÜNSTLERISCHEN. Über die gäbe es auch etwas zu erzählen.

Aber HIER UND HEUTE spreche ich zu Ihnen über meine Erfahrungen als Künstlerin mit migrantischem Hintergrund und die Strategien, mit denen ich versuche, mich in der österreichischen Kulturszene zu etablieren.

Ich werde meinen Input vorlesen, es ist einfacher für MICH und besser verständlich für SIE. Und wir sparen ein wenig Zeit für die anschließende Diskussion, auf die ich sehr gespannt bin.

In dem ich mich im Kontext dieses Symposiums als Künstlerin mit migrantischem Hintergrund definiere, möchte ich zu Beginn ein wenig über die Unterschiede sprechen zwischen Künstlerinnen aus Österreich und migrantischen Künstlerinnen. Ich möchte mit dem Aufzeigen dieser Differenz in keiner Weise Mitleid oder ähnliche Gefühle provozieren. Das wäre vorschnell und würde nur von mir immer wieder kritisierte Klischees bedienen. Es geht mir nur darum, festzustellen, dass die Tatsache, Migrantin zu sein, die ohnehin komplizierte Situation einer Künstlerin wesentlich verändert.

Es gibt eine ganze Liste von Nachteilen, die ich aufzählen könnte. Drei davon scheinen mir in Bezug auf die Arbeit als Künstlerin besonders entscheidend.

1. Migrantinnen sind in aller Regel nicht 100% sicher in Deutsch, weder gesprochen noch geschrieben.

2. Migrantinnen kennen den kulturellen Kontext und die lokalen „Spielregeln“ nicht oder nicht gut genug.

3. Migrantische Künstlerinnen, die ihr Studium an einer ausländischen Hochschule absolviert haben, haben keine österreichische Institution als Referenz, die sie unterstützt, keine Professoren und Professorinnen, die zu Ausstellungen einladen könnten oder als Kuratoren und Kuratorinnen unterstützend wirken könnten. Es fehlen ganz definitiv Kontakte und Einflussmöglichkeiten.

Wenn frau das verstanden hat, hat sie drei Optionen:

1. Dorthin zurückkehren, wo sie herkommen ist.

2. Den Beruf wechseln.

3. Den heißen Kampf eines Eisbrechers beginnen.

……

Ich bin cool geblieben und habe mich für Punkt drei entschieden.

Das gibt mir heute die Möglichkeit, Ihnen kurz von zwei zu Beispielen berichten, in denen sich Künstler und Künstlerinnen mit migrantischem Hintergrund selbst organisiert haben, um die von mir so titulierte Arbeit als Eisbrecher aufzunehmen. Das ist „kuratorische Selbstorganisation“.

Zur Einstimmung auf das erste Beispiel nutze ich die Gelegenheit, um Sie daran zu erinnern, dass in Lateinamerika dieses Jahr 200 Jahre der Unabhängigkeit gefeiert werden. 200 Jahre eines Prozesses der Emanzipation von Spanien, dem Mutterland, von Europa, der Alten Welt.

Das Beispiel eins ist die Gruppe lateinamerikanischer Künstler und Künstlerinnen namens Latin Lobby. Sie besteht aus bildenden Künstlerinnen und Künstlern, die in Wien wohnen, aber aus verschiedenen lateinamerikanischen Ländern kommen. Der Wunsch, sich zusammenzuschließen, hat dabei geholfen, die nicht zu unterschätzenden kulturellen und politisch-geschichtlichen Gegensätze zwischen unseren Herkunftsländern zu überwinden. Unser Ausgangspunkt war, gegen die Vorurteile und Klischees zu kämpfen, die auch in Wien gegenüber Künstlern und Künstlerinnen aus Lateinamerika existierten. Auch in der Kunstszene selber.

Was sollte Lateinamerika nach dem Urteil der Europäer sein: Salsa, Rumba, Chachacha. Sonne, Meer, gute Laune, schöne Frauen, Machos, wilde Politik, linke Regierungen oder Diktaturen und ihre Konsequenzen: Verschwundene, Tote, Gefolterte.

Doch nicht nur, wie Lateinamerika sein sollte, sondern auch was lateinamerikanische Kunst sei und was nicht, das möchten manche hier entscheiden. Ich erinnere mich an einen bekannten Galeristen, der mir einmal gesagt hat: „Wenn ich eine Chilenin ausstellen möchte, dann suche ich mir eine richtige.“

Als hätten diejenigen, die hier in der Diaspora leben, ihre Möglichkeit verloren, zu sprechen und selbst ihre Geschichte und ihr kulturelles Erbe zu erklären und in ihren Kunstwerken zu hinterfragen.

Themen von Latin Lobby waren und sind daher die ökonomischen und politischen Abhängigkeiten zwischen Europa und Lateinamerika oder: in der Gegenrichtung: der Einfluss von lateinamerikanischer Kultur durch die Ausstrahlung von Telenovelas in Ländern in Osteuropa.

Bis dato haben wir vier Ausstellungen organisiert, in Kooperation mit bekannten Kulturorganisationen und Galerien in Wien

2006 Latin Lobby, Freiraum im Museumsquartier 2007 Go to hell money, Galerie Denkraum 2007 No dumping, Fotogalerie Wien 2008 Telenovela, Aula der Akademie der Bildenden Künste

Diese Kulturorganisationen haben uns als externe Kuratoren und Kuratorinnen akzeptiert und haben uns die Freiheit gegeben, zu arbeiten. Sie haben uns die technische und personelle Infrastruktur zur Verfügung gestellt und in einigen Fällen auch finanzielle Unterstützung.

Uns ist es mit Hilfe von Latin Lobby und unseren lokalen Partnern gelungen, einige Klischees und Vorurteile in Frage zu stellen und professionell – und für uns selber befriedigend - als Künstler und Künstlerinnen zu arbeiten.

Ich komme zum zweiten Beispiel für kuratorische Selbstorganisation. (Und sehe, dass ich mich etwas beeilen muss.)

2009 hatte die Organisation VIDC, das Wiener Institut für Internationalen Dialog und Kooperation, Petja Dimitrova und mich eingeladen, ein Konzept für ein Kunst-Projekt zu den Themen Frauen, Kunst und Migration zu schreiben.

Unser Ergebnis war: wir wollten ein Buch schreiben und herausgeben als Migrantinnen, als Frauen. Ein Buch mit einem diskursiven Charakter, mit Bildern und Texten zum Thema der persönlichen Lebens-Erfahrungen aus der Sicht einer Migrantin. Petja Dimitrova und ich haben dazu noch zwei weitere Künstlerinnen eingeladen, nämlich Agnes Achola und Nilbar Güres. Auch die Organisatorin des ganzen Projektes, Stefania del Sordo, hatte migrantischen Hintergrund.

Warum haben wir uns für das Buch als Format entschieden?

Es ging uns um ein Buch mit Bildern und um unsere ganz unterschiedlichen, ganz persönlichen Bilder im Buch. Bilder, die aus unseren Kunstwerken sprechen.

Wir wollten ein unspezifisches Publikum ansprechen können.

Wir wollten ein Produkt mit einiger Haltbarkeit und Dauerhaftigkeit.

Wir wollten einen Diskurs anstoßen und wir wollten textliche Referenzen liefern.

Das für uns sehr zufriedenstellende Resultat wurde im Juni 2010 in der Wiener Sezession vorgestellt: ein Buch mit 275 Seiten, Farbfotos und einer Auflage von 750 Exemplaren. Ich habe ein Exemplar mit, falls jemand in der Pause Interesse hat, hineinzuschauen.

Bei der Präsentation wurde von zwei Beobachterinnen der Szene gesagt, dass dieses Buch ihres Wissens nach das erste von migrantischen Künstlerinnen herausgegebene Kunstbuch in Österreich sei.

Ich möchte hiermit meinen Input beschließen und bin gespannt auf die Diskussion. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


(1)http://www.wienbibliothek.at/veranstaltungen-und-ausstellungen/veranstaltungen/archiv/frauenmuseenweltweit.html

(2)http://www.carlabobadilla.at/index.html

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- sign the petition (for release of women’s rights activists)


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