Für die Todesopfer der grünen Bewegung von „Neda und Sohrab“ bis „Haleh und Hoda“ / Mansoureh Shojaee - The Feminist School
     
  Home
About Us
News
Articles
Campaign
Help We Need
Movement Detainees
Events
Our Supporters
Iranian Women in the Media
Iranian Women’s Calendar
Deutsch
Italiano
Français
فارسی
Facebook
Links
Contact Us
In der gleichen Rubrik
  -Der Wächterrat der Islamischen Republik Iran (IRI) besteht darauf dass im neuen islamischen Strafgesetz bei Ehebruch Steinigung als Strafform beibehalten wird
 
  -Ehren- und Kuratoriumsmitgliedschaft für Nasrin Sotoudeh
 
  -Das weibliche Herz der Revolution
 
  -Die Feierstunde zum 8. März im EVIN Gefängnis
 
  -Wie steht es um die Frauenbewegung Irans als eine Säule der Zivilgesellschaft? / Mansoureh Shojaee
 
  - Iranische Models, islamische Burka-Trägerinnen / Noushin Ahmadi Khorassani
 
  -Eine Chance für die gemeinsame Stimme der Frauenbewegung in Einklang mit den Schmetterlingen des Friedens
 
  -Meine Mutter gehörte niemandem...:Für Parastou Forouhar/Mansoureh Shojaee
 
  -50 Peitschenhiebe am Körper der Doktorandin der Soziologie, Somayeh Tohidlou
 
  -Für die Todesopfer der grünen Bewegung von „Neda und Sohrab“ bis „Haleh und Hoda“ / Mansoureh Shojaee
 

 


The Web
The Feminist School

 

Startseite > Deutsch > Für die Todesopfer der grünen Bewegung von „Neda und Sohrab“ bis „Haleh und (...)

Für die Todesopfer der grünen Bewegung von „Neda und Sohrab“ bis „Haleh und Hoda“ / Mansoureh Shojaee

Translated by : Mercede Salehpour

Montag 25. Juli 2011

print


Feminist school: Am Sonntag, 10.07.2011 veranstalte das Rahaward Kulturzentrum in Aachen eine Sitzung mit dem Titel „Für die Todesopfer der grünen Bewegung des iranischen Volkes, von Sohrab bis Haleh und Hoda“. Redner dieser Veranstaltung waren Abdolkarim Lahiji, Mansoureh Shojaei und Khadijeh Moghaddam. Hier der Redetext von Mansoureh Shojaei:

Mit meinen Worten möchte ich heute an die Todesopfer der jüngsten Ereignisse und die Todesopfer der grünen Bewegung erinnern: Bitter und rebellisch ist es dir jedes Mal zumute, wenn du über geschichtliche Ereignisse deines Landes sprechen willst, denn jedes Ereignis ist gleichzeitig die Geschichte der stolzen Todesopfer. Auf diese Opfer kann eine Nation Stolz sein, wenn auch die Trauer um die Opfer den Erinnerungen einen bitteren Beigeschmack verleihen.

Soll ich heute vom Jahrestag des 09. Juli und den toten Studenten erzählen? Oder von dem schmerzlichen Juni vor zwei Jahren? Oder vom 40. Todestag von Haleh?... Von dem schwesterlichen Mitgefühl mit Firouzeh Saber, die ihren Bruder Hoda Saber - den Gefangenen des Todes – verloren hat? Und wie kann ich heute unter euch Exilanten sein und nicht über die Geschehnisse der 80er Jahre und des verfluchten September 1988 sprechen?

Seht Ihr Freunde? Wir haben viele Geschichten zu erzählen: Von der Bewegung der Sarbadaren („Kopf am Galgende“) im 14. Jahrhundert bis zu den heutigen Opfern des Galgentodes. Und die Geschichte der Freiheit ist noch nicht zu Ende erzählt worden…

Aber heute soll ich von den brennenden Juni Monaten der letzten Jahre – vom 12. Juni 2009 bis heute - erzählen. Um die Geschehnisse der letzten zwei Jahre meines Landes erzählen zu können, suche ich Hilfe bei Bertold Brecht, der selbst Erzähler der Angst und Unterdrückung war. Er sagte: „Der Lachende hat die furchtbare Nachricht nur noch nicht empfangen“.

Ja, wer an diesem Tag lachte, waren nicht mehr die Mädchen der fröhlichen Straßen und nicht die Jungs der grünen und farbenfrohen Straßen der vorherigen Tage. Auch nicht die gewaltlosen Frauen der nahe liegenden oder weit gelegenen Städte oder die ruhigen und geduldigen Männer, deren Frauen zuhause fehlten. An diesem Tag lachte „der siegreiche trunkene Teufel, der das Festmahl der Trauer der Menschen genoss“.(1)

Was geschah nach einem Monat Fröhlichkeit und Hoffnung mit unserem Volk? Ich sah einen jungen Mann, der verhüllt in einem bitteren Schweigen seine Schuhe hoffnungslos und traurig anzog. Es waren jene abgetragene Schuhe, mit denen er Tagelang voller Euphorie und Sehnsucht nach Demokratie auf die Straße gegangen war. „Wohin gehst du?“ fragte ich ihn. Er antwortete ruhig: „Ich gehe nicht weit… Ich habe gestern meine Stimme abgegeben. Ich will wissen, wo meine Stimme ist“.

An diesen Tagen sagten die jungen Menschen diesen Satz und verabschiedeten sich hastig von ihren Müttern. Viele Mütter gingen mit... Die einfache und wahre Annahme war aber eine Illusion: Sie gingen fatalerweise so weit weg, dass sie nicht mehr zurückkehrten. Es waren junge Menschen wie Neda, Sohrab, Mohammad, Amir, Kianush, Mohsen, Ramin und andere geliebte Seelen, die mit entschlossenen Schritten gingen und auf Bahren zurück getragen wurden. Ihre Mütter trauerten um ihre Kinder wie die Shahnameh Heldin Tahmine in Trauer um ihren Sohn Sohrab. Sie weinten sich die Seele aus dem Leib und sagten:

„Du und sterben? Die Rede war von einem Fest! / Nein! Du durftest nicht sterben / Mit welchem verfluchten Wort zog der Tod an uns vorbei und wir haben es nicht geahnt? / Ich habe noch nie einen Helden gesehen, der seinem Tod so entgegen eilte! / Frauen! Geht nach Iran, denn die Seele des edlen 14 jährigen geht in das Paradies!“(2)

Dies war die Katastrophe und das Verbrechen… So geschah den Menschen Unrecht... Menschen, die schwere Jahre des Kampfes hinter sich gebracht hatten und nicht mehr sterben wollten. Jahre voller Leid und Schmerz hatten sie hart wie ein unterer Mühlstein gemacht. Sie waren wahrhaftig weit entfernt von dem Wunsch nach Rache und Tod… Sie gingen nicht auf die Straße, um getötet zu werden, sondern weil sie in einer zivilen Gesellschaft leben wollten. Diese Menschen hielten sich an das Gesetz ihres – wenn auch undemokratischen – Staates, gingen zu den Wahlurnen und wählten Kandidaten, die dieser Staat bestätigt hatte. Diesen Menschen wurde ihre Stimme gestohlen und dann hatten sie nur eine unschuldige und gerechte Frage: „Wo ist meine Stimme?“…

Diese konkrete und logische Frage dieser Mädchen und Jungen war das Vermächtnis ihrer Mütter, die seit vielen Jahren eine Bewegung geformt hatten und auf die Straße gegangen waren um zu fragen: „Wo bleiben meine Rechte?“ Gestärkt von diesen wertvollen Erfahrungen verabschiedeten die Mütter ihre Kinder, begleiteten sie und waren bisweilen Vorreiterinnen. Sie wollten nicht nur auf die Frage der Jugend, sondern auch auf ihre eigenen Fragen eine Antwort finden. Diese Mütter waren die Wächterinnen des gewaltfreien und gerechten Kampfes. Ihr liebevoller Blick war sowohl auf die gewalttätigen Gruppen als auch auf die Opfer der Gewalt gerichtet. Sie gaben beiden Seiten Ratschläge und rieten von feindlichen Handlungen ab. So entstand mit jeder getöteten Seele, die auf den Boden fiel, eine weitere Institution des Friedens, der Liebe und der Gleichheit. Mit leeren Händen errichteten Frauen diese Institutionen in der Zeit der Trauer… Diese Errungenschaften erinnern an die Beteiligung der Frauen an der demokratischen Bewegung.

Parwin Aarabi, die Mutter von Sohrab Aarabi ist die „Tahmineh“ des Juni-Kampfes, die selbst mitmachte und andere Mütter mit sich in den Kampf nahm. Die schwarzen Kopftücher der „Mütter der Trauer“ fand in Verbindung mit den weißen Kopftüchern der argentinischen Mütter einen globalen Charakter. In Trauer um ihre Kinder wurden sie zum Symbol der Liebe und des Widerstandes. Das „Komitee der Frauensolidarität gegen soziale Gewalt“ wurde ins Leben gerufen, während Frauen mit Unterdrückung und Gewalt konfrontiert waren und untertauchen mussten. Dennoch veröffentlichten sie Erklärungen und Broschüren gegen soziale Gewalt. Es entstanden Gruppen, welche die Familien der Getöteten und Inhaftierten unterstützten. Weltweit wurden die „Mütter von Laleh-Park“ unterstützt. Die „grüne Koalition der Frauen“ erklärte sich erneut solidarisch mit der Demokratiebewegung…. Dies alles haben Frauen zustande gebracht, die konstruktiv waren und Gewalt ablehnten. Auch als sie unterdrückt und verhaftet wurden und auf der Flucht waren, dachten sie weiterhin an Gleichheit, Frieden und die zivile Gesellschaft…

Wo kennen Sie ein Land, in dem Menschen getötet werden und daraus Institutionen des Widerstandes und der Gewaltlosigkeit entstehen? Wo gibt es eine Nation, die Gewalt ablehnende Werke verfasst, während sie unterdrückt wird? In welchem Land gehen Menschen ins Gefängnis und bilden dennoch andere aus und klären sie auf? Können Sie sich eine inhaftierte Frau vorstellen, die ihrem Mann sagt: „Auch wenn ich frei gesprochen werde, bleibe ich hier! Hier im Gefängnis habe ich alleine in dieser Abteilung 4 Mandanten und ich kann sie nicht alleine lassen“? Dies hat die Rechtsanwältin Nasrin Sotudeh ihrem Mann Reza Khandan gesagt, als er sie besuchte. Wo gibt es eine trauernde Tochter, die auf der Trauerfeier ihres Vaters von einer rachsüchtigen und wütenden Armee geschlagen und getötet wird? Ihre Botschaft des Friedens und der Gerechtigkeit wird die Leitidee dieses Kampfes bleiben. Dies geschah „Haleh Sahabi“… Ja Haleh ist die „Irandokht“ der Forderung nach Gleichheit“.

Es war einfach, dies über Haleh Sahabi zu sagen. Ich musste mich nicht anstrengen. Die Buchstaben formten sich von alleine und dann las ich laut vor: „Irandokht der Forderung nach Gleichheit“. Dies ist die richtige Bezeichnung, die eine Botschaft beinhaltet. Diese Botschaft wurde seit 2009 - dem Beginn der Demokratiebewegung - immer erwähnt, als von der Mitwirkung der Aktivistinnen gesprochen wurde. Und am besten passt sie zu Haleh, die mit Herz und Seele für Freiheit und Gleichheit war… Diese Bezeichnung stellt die furchtlose Anwesenheit einer Frau in einer Umgebung dar, die von Männern der Politik, Macht und Unterdrückung besetzt ist.

Haleh und ihre Freundinnen, die bei der Frauenbewegung, der „Mütter des Friedens“ und der nationalen Bewegung mitwirkten, wählten Gandhis „Satyagraha “. Sie sind entschlossene und friedliche Kämpferinnen, die eine Methode gewählt haben, über die Gandhi sagte: Ein Satyagraha Kampf ist anders als herkömmliche Kriege. Das Ziel bei normalen Kriegen ist, dem Feind Schmerz zuzufügen und ihn dadurch zu besiegen. Bei Satyagraha jedoch nehmen die Kämpfer freiwillig Schmerz und Leiden auf sich. Genau diese Geduld, freiwillig Leiden auf sich zu nehmen, entwickelt sich zu einer Kraft, die den Gegner beeinflusst und ihn zwingt, die Forderungen zu akzeptieren.(4)

Die Opfer, die in den Letzten Jahren und insbesondere in den letzten zwei Jahren Frauen, Männer und Jugendliche - von Sohrab bis Haleh, Hoda und die anderen – für Demonstrationen aufbringen mussten, sind genau das Leid, das sie – wie Gandhi sagte – freiwillig auf sich nahmen, um ihre potenzielle Kraft freizusetzen und weiter zu gehen. Auch wollten Sie die Sturheit ihrer Gegner prüfen. Vermutlich werden wir nie einen Menschen treffen, der bei diesem Kampf mitgemacht hat und über sein Leiden klagt. Dies haben bisher Haleh, Parvin Aarabi und alle andere Mütter, Schwestern und Freundinnen bewiesen.

Frauen haben mit ihrer eigener Identität an dieser Bewegung teilgenommen und dadurch die Bewegung beeinflusst. Durch die Beteiligung von Frauen gewann die Bewegung folgende Merkmale: Gewaltlosigkeit, konkrete Forderungen in Mittelpunkt zu stellen, Pluralismus, Institutionalisierung und Förderung der zivilgesellschaftlichen Institutionen. Diese Institutionen müssen wir verteidigen, weil sie Waffen gegen machtorientierte Putschisten sind. Nach dem Putsch am 19.08.1953 sagte Mehdi Bazargan dem vor kurzem verstorbenen Weggefährten der nationalen Bewegung Ezzatollah Sahabi: „Der Putsch wäre nicht passiert, wenn wir zivilgesellschaftlichen Institutionen und mehrere Volksvereine gehabt hätten“.

Dies wird der Grund sein, warum Ahmadineschad in den ersten 4 Jahren seiner Amtszeit die Vereinigungen und Institutionen eine nach der anderen schließen ließ, die Frauen und Männer in den Jahren davor mit leeren Händen errichtet hatten. Damit wollte er den heutigen Putsch vorbereiten. Wie einfältig war die Regierung, zu glauben, Tod säen und dadurch den jungen Baum der „Institutionalisierung„ austrocknen zu können. Dabei haben wir in dieser lieblosen Zeit doch gesehen wie gleichheitsfordernde Frauen; Mütter des Friedens und ihre heimattreuen Töchter; und Mütter, die ihre Söhne verloren hatten, liebevoll neue Institutionen errichteten und trotz aller Hindernisse weiter machten. Sie sind Frauen der Freiheit und Gleichheit… sie sind die Vorreiterinnen des Kampfes.

Oh weh, was haben Frauen in den letzten 100 Jahren seit der konstitutionellen Revolution bis zu diesen brennenden Juni Monaten alles getan! Sie gingen mal neben ihren Männern, mal hinter ihnen und bisweilen überholten sie ihre Männer. Sie bildeten die ersten Reihen der Gewaltlosigkeit. Sie waren eine leichte Beute für die Verhaftungen, sie kamen in die Nachbarzellen ihrer Männer, sie starben in den Gefängnissen und auf den Straßen. Sie wurden am Galgen der Ungerechtigkeit hingerichtet. Sie wurden gezwungen, ihr Land zu verlassen und weit weg von ihren Liebsten Asyl zu suchen. Und manchmal gab es Frauen wie Haleh, die bei der Bestattung des großen Mannes trunken war von dem Gefühl, in einer Menschenmenge zu sein, die Gleichheit und Gerechtigkeit forderte. Und dann wurde Haleh selbst zu Grabe getragen, ohne dass ihr Durst nach Befreiung gestillt wurde.

Was haben die Männer dieser Frauen in den letzten 100 Jahren seit der konstitutionellen Revolution bis zu diesen brennenden Juni Monaten alles getan! Sie unterstützen ihre Frauen und waren ihre Weggefährten. Diese Männer glaubten an die Ideen ihrer Frauen und fühlten mit ihnen. Sie schickten aus ihren Zellen Liebesbotschaften an ihre inhaftierte Bräute. Sie zogen ihre Kinder groß, die in der tiefen Einsamkeit ihrer Väter die Mutterliebe suchten. Es gab auch Männer wie Hoda Saber, der in einer Zelle mit anderen Juni-Männern inhaftiert war und dann begann er in Trauer um den legendären Tod einer Frau den Hungerstreik. Nur mit dem Tod trank er den ersten Schluck der Freiheit und so wurde er unsterblich.

Mögen sie alle geliebt und ehrenvoll in Erinnerung bleiben und der Weg zur Erfüllung ihrer Ideen frei sein.


1- Ahmad Shamlou

2-Bayzaei, Bahram, SOHRABKOSHI, Teheran: Roshangaran wa Motaleate Zanan Verlag, 2011)

3- Satyagraha bedeutet „an der Wahrheit festhalten“, „ständige Suche nach der Wahrheit“

4- King, Mary. Mahatma Gandhi and Martin Luther King, Jr.: The Power of Nonviolent Action, Übersetzt von Shahram Naghsh Tabrizi, Teheran: NEY Verlag, 2006.

Source in Persian:

https://www.facebook.com/note.php?note_id=10150263360062356

Take Action

Sign the petition of one million signatures to end discriminatory laws against women.

- Sign petition (for support of Campaign for One Million Signatures)

- sign the petition (for release of women’s rights activists)


Aktivitäten verfolgen RSS 2.0 | Sitemap | Redaktion | SPIP |