Meine Mutter gehörte niemandem...:Für Parastou Forouhar/Mansoureh Shojaee - The Feminist School
     
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Meine Mutter gehörte niemandem...:Für Parastou Forouhar/Mansoureh Shojaee

Translated by:Mercede Salehpour

Friday 18 November 2011

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Feminist school: Das Buch von Parastou Forouhar mit dem Titel “Das Land, in dem meine Eltern umgebracht wurden - Liebeserklärung an den Iran“ ist vor kurzem erschienen und der 13. Jahrestag des Mordes an Forouhars steht bevor. Aus diesem Anlass veranstaltete ZONTA unterstützt von der Stadtbibliothek Nürnberg am 02. und 03.11.2011 zwei Lesungen in dem Zeitungs-Café der Stadtbibliothek Nürnberg und im Frauenmuseum in Fürth.

Das Buch ist bei Herder Verlag erschienen und berichtet über die Reisen von Parastou Forouhar in den Iran in den letzten 10 Jahren. Das Buch beginnt mit dem Anruf eines Journalisten, von dem sie die Nachricht der Ermordung ihrer Eltern erhielt, und berichtet über die Geschehnisse bis Dezember 2009.

An beiden Veranstaltungen wurde erst ein Teil des Filmes „Mit Vertriebenen in der Heimat“ von Noushin Ahmadi Khorassani gezeigt. Dann wurde an die inhaftierte Anwälten Nasrin Soutoudeh erinnert. Der Film zeigte erneut ihre unerschütterliche Verpflichtung ihren Mandantinnen gegenüber.. Dann stellte Mansoureh Shojaei das Buch von Parastou Forouhat vor und sprach über die Arbeit und den Widerstand von Parastou Forouhar und die emotionale Bindung der Menschen zu ihr. Im dritten Teil las die Autorin aus ihrem Buch und am Schluss gab es eine Frage-Antwort Runde. Hier ein Teil des Vortrages von Mansoureh Shojaei:

“Meine Mutter gehörte niemandem. Sie gehörte ihren Träumen und Wünschen. Sie gehörte dem Versprechen, das sie einst ihrem Leben gegeben hatte…“

So beschreibt Parastou Forouhar ihre Mutter. Sie war eine nationalistische Kämpferin für Iran, die nach einem ungleichen Kampf mit Dämonen der Gewalt und Ungerechtigkeit am 22. November 1998 mit ihrem Blut eine neue Geschichte des iranischen Freiheitskampfes schrieb und zusammen mit ihrem Ehemann und Mitstreiter Dariush Forouhar zu einem anderen Versprechen eilte.

“Meine Mutter war nicht da!”. Parastou schreibt über ein Zuhause, wo von ihrer Mutter keine Spur mehr zu sehen ist, außer der Anwesenheit der Großmutter und Tanten…!

Kerzen sind da, und viel Totenhalva mit dem Geruch von Kardamom und Safran und jede Menge Teegläser…! Für ihre Mutter wären sie nutzlose Mittel gewesen, wenn sie da gewesen wäre und ihre eigene Trauerfeier hätte mitgestalten können. Auf welche Mittel würde sie zugreifen? Parastou schreibt: Ihre Mittel wären überall und immer die Sprache des Protests, die furchtlose Feder und das reine Papier ihres Geistes gewesen...

Ihre Mutter hätte gewiss nicht getrauert, wenn sie da gewesen wäre… Sie hätte protestiert…Und Parastou ist die Tochter des gerechten und furchtlosen Protestes ihrer Mutter… Die Tochter der Mutter des Protestes..

Deshalb trauerte sie nicht. Die Totenklage ihrer Eltern verwandelte sie in einen Protest und einen Schrei nach Gerechtigkeit. Ihr Schrei füllte Iran und wurde überall auf der Welt gehört… Auch mich hat der Schrei erreicht…

Traurig und zornig hörte ich ihr zu und schaute sie an. Ihre beeindruckende Präsenz warf Schatten auf die Stadt… Wie sehr ähnelte sie ihrer Mutter, die ich zum aller letzten Mal bei einer Freundin in einem schönen Kostüm gesehen hatte.

Wer war Parastu, deren Name Schwalbe bedeutet? Aus welchem Land kam dieser Zugvogel nach Iran? Aus welchem Kontinent wollte sie in die warmen Arme ihrer Eltern zurückkommen?…Sie kam und die Arme waren mit kalter Erde gefüllt… Warum wanderte Parastou zu dieser Zeit? Die Wanderungszeit der Schwalben war doch längst vorbei…

Die Frage nach dem Grund für den unzeitigen Flug dieses Zugvogels fand bald ihre Antwort…Die Kettenmorde wurden einer nach dem anderen aufgedeckt und Parastou steuerte wie eine Rudergängerin das Anklageschiff: Eine Frau von dem Stamm des Protestes.

Sie war gekommen, um in die Fußstapfen ihrer Eltern zu treten. Sie war gekommen, um ihren Weg weiterzugehen. Sie war gekommen, um die Toten zu begraben und die Lebenden am Grab zu beschwören, bis zur Freiheit das Feld des Kampfes nicht zu räumen.

Während dieser bitteren Tage lernte ich sie kennen und kostete den süßen Geschmack ihrer Freundschaft… Nicht nur ich, sondern das gesamte Land.

Nach den vielen Trauerfeiern und Moscheegängen in dem unheilvollen Jahr kam sie jedes Jahr wieder… Die Herbstschwalbe kam jedes Jahr, um im Iran den Frühling der Freiheit auszusäen… Ich sah sie jedes Jahr. Mal trafen wir uns vor der Zeremonie, mal auf dem Rückweg von diesem Verhör und jener Behörde, die die Genehmigung ausstellen sollte. Sie setze sich hin, zündete eine Zigarette an und erzählte leidenschaftlich und unermüdlich… Mal waren wir in der Frauenbibliothek, mal in einer Galerie, mal zu Hause oder im Büro einer Freundin… Dann kehrte dieser Tag immer wieder. Stets am 22. November waren Parastou und die Menschen verabredet und sie kamen zum Treffen.

Die ersten Jahre in Moscheen, Gebetsräumen und in ihrem Haus… Die Jahre danach jedoch kam die Polizei und zerstreute uns…wir blieben aber und hatten tausend Ausreden. Wir blieben auf den Straßen und Alleen stehen, in dem Café um die Ecke, in der Imbissbude, in der Telefonzelle, an den Zeitungsständen und Bushaltestellen. Wir wollten den Despoten die Präsenz der Menschen demonstrieren und wir wollten die zwei kämpferischen Persönlichkeiten unserer Nation ehren. Jedes Jahr kamen an diesem Tag Menschen aus Teheran und umliegenden Städten zu Parastous Haus. Ebenso kam die Polizei und griff an. Die Menschen kamen auch und leisteten Widerstand… Und Parastou war immer die mutige und traurige Wächterin dieses Tages, und die Wächterin des Hauses.

Verhöre, Drohungen, Hausarreste, Ausreiseverbote und tausend Geschehnisse musste sie erdulden…, und das Licht in Parastous Haus erleuchtete tausend Sterne im Nachthimmel, die beieinander die Milchstraße der Befreiung und der Freiheit des Iran gestalteten. Jeder Stern beleuchtete einen Weg. Einer erhellte den Weg zum Frauenmuseum, das wir zusammen mit anderen Frauen wie Shirin Ebadi, Nasrin Sotoudeh, Noushin Ahmadi und Parastou Forouhar gründen wollten und es ging nicht… Nein! Nicht, dass es nicht gehen würde… Ein Herzensanliegen kann nicht scheitern! Ein Herzensanliegen iranischer Frauen, die so viele Wünsche haben, kann nicht scheitern… Frauen, die genauso sind wie Parvaneh Forouhar - die Mutter von Parastou - und deren Herzen ebenfalls für ihre weltlichen und schlichten Träume und Ideale schlagen. Frauen, die nur ihren Wünschen gehören. Genauso war die Mutter von Parastou, die niemandem gehörte. Sie gehörte ihren Träumen und Wünschen und dem Versprechen, das sie einst ihrem Leben gegeben hatte.

Jetzt sind es nur noch 13 Tage bis zum Tag der Verabredung und seit dem Tag sind 13 Jahre vergangen… Möge das Unheil abgewendet sein!… Auch in diesem Jahr wird Parastou in den Iran reisen und dem Versprechen treu bleiben, das sie ihrem Leben gegeben hat. Ihre Präsenz wird das Haus mit Leben und Licht füllen. Das Licht wird wieder die Sterne erleuchten und die Sterne werden wieder beieinander die Milchstraße der Freiheit und Befreiung beleuchten.

Früher wartete ich jedes Jahr um diese Zeit ruhelos und ergriffen auf sie und ging sie begrüßen…. Dem Schicksal sei es geklagt, gehe ich sie dieses Jahr nicht begrüßen, sondern ich werde sie verabschieden. Weit weg von meiner Heimat und meinen Liebsten bin ich in diesen Tagen aufgewühlt. Es ist ein Gefühl zwischen Sorge und Wehmut und es frisst mich von innen auf. Sorge um das, was ihr passieren könnte und Wehmut, nicht bei Freundinnen zu sein, die auch in diesem Jahr Hand in Hand zu ihrem Haus gehen werden. Geh! Bleib gesund! Möge deine Reise gefahrlos sein Parastou!

Mansoureh Shojaei, Nürnberg, Herbst 2011

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